"...als beide Fäuste voll mit Mühe und haschen nach dem Wind."
Kohelet (Prediger) 4,6
Urlaubsende, wieder reinfinden in den durchgetakteten Alltag: Kaum ist der Sommer vorbei, rennen wir wieder los: mehr schaffen, mehr leisten, mehr erreichen.
Im Buch Kohelet allerdings schreibt einer, der schon alles ausprobiert hat: Karriere, Reichtum, Projekte ohne Ende. Und seine Erkenntnis? Wer sich mit „beiden Fäusten“ ins Zeug legt, jagt dem Wind hinterher - und bekommt ihn nie zu fassen.
"Eine Hand voll Ruhe ist mehr wert als zwei Fäuste voll Mühe."
Das ist keine Aufforderung zur Faulheit! Hier steht nirgends „Mach nichts mehr“. Die Bibel feiert an vielen Stellen Arbeit, Einsatz, Engagement – auch Kohelet tut das. Es geht um das Zuviel. Um die Frage, ob wir noch merken, wann genug genug ist. Das ist jetzt im September wirklich eine gute Frage. Für Jugendliche zwischen Schule, vielleicht noch Nebenjob, Musikschule, Sportverein und dem Druck, in den sozialen Medien immer irgendwie „on“ zu sein. Für Eltern zwischen Job, Kita-Bringdienst, Partnerschaft und dem Gefühl, nie genug zu tun. Für alle, die abends aufs Handy schauen und merken: Der Tag war voll, aber irgendwie doch so leer.
Was, wenn nicht noch mehr in unsere Fäuste hineinmuss?
In der Bibel ist Ruhe kein Luxus, den man sich erst verdienen muss. Schon ganz am Anfang, in der Schöpfungsgeschichte, ruht Gott selbst am siebten Tag – nicht weil er müde war, sondern weil Ruhe zum Leben dazugehört. Der Sabbat ist ein Geschenk Gottes an uns, kein Bonus für Streber. Wer sich Ruhe gönnt, handelt nicht gegen Gottes Willen, sondern in seinem Sinn.
Mein Vorschlag für September: Schaut mal in euren Kalender. Wahrscheinlich seht ihr sofort, wie voll er schon ist – keine Spur von Faulheit. Die Fäuste sind längst gefüllt. Genau deshalb schreibt ihr diesen Monat mal etwas Neues dazu: Ruhezeit! Fest eingetragen, so verbindlich wie jeder andere Termin auch – fünfzehn Minuten für sich alleine, ein Spaziergang, eine Tasse Tee wirklich genießen, ein gutes Buch lesen ... oder einfach einmal nichts tun.
Ich nenne es ein Probe-Abo, Testphase September.
Und wenn ihr merkt, dass es guttut? Dann verlängert das Abo einfach – kostenlos, ohne Abo-Falle. Gottes Zusage dazu haben wir schon längst.